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Eine einfache Einführung in die Geheimnisse des Orgelbaus
(für Laien)
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Ohne den Anspruch zu erheben, hier eine nur halbwegs vollständige Einführung in das Thema Orgelbau bieten zu können (das würde den Rahmen dieser Page bei Weitem sprengen und es gibt gute Literatur zu diesem Thema), hier nun der Versuch, einige wichtige Teile einer Orgel kurz und für Laien verständlich zu beschreiben:
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Ohne 'Wind' geht nix!
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Wind wird im Orgelbau die Luft genannt, mit der die Pfeifen angeblasen werden, um sie zum Klingen zu bringen. Wind wird heutzutage mit einem Elektrogebläse erzeugt, das den Luftdruck durch Windkanäle zunächst in den Balg presst. Hier wird der Wind auf einen gleichmäßigen Druck gebracht, der auch bei großem Windverbrauch durch viele klingende Pfeifen, große Basstöne oder komplexe Spielvorgänge nicht ins Schwanken geraten darf. Das setzt eine genaue Berechnung der Balggröße und der Balggewichte voraus.
Früher wurde der Wind noch mit Bälgen erzeugt, die von Menschen getreten oder gezogen wurden - bei einer großen Orgel eine schweißtreibende Angelegenheit für mehrere Kalkanten (Balgtreter).
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Doppelklick auf die Abbildungen öffnet sie in grösserer Ausführung in einem neuen Fenster.
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Die 'Windlade', Herz einer jeden Orgel
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In der Windlade wird der vorhandene Wind vermittels mechanischer, pneumatischer oder elektrischer Steuerung genau zu der Pfeife geleitet, die nach Willen (oder Können) des Organisten erklingen soll. Über die Jahrhunderte weg wurde an der Windlade weiterentwickelt, getüftelt und gebaut, um sie zur heutigen möglichen Qualität zu bringen. Die Auswahl der Werkstoffe ist hier ein sehr wichtiger Faktor, damit die Orgel langfristig ihren Dienst leisten kann.
Was geschieht nun in dieser Steuerungseinheit Windlade? Zunächst einmal wird durch einen Tastendruck ein Ventil geöffnet, das Wind zu dem Ton leitet, der der gedrückten Taste zugeordnet ist. Nun hat eine Orgel in der Regel allerdings mehrere Pfeifen, die für den gleichen Ton zuständig sind: laute und leise, weiche und harte, je nach Größe der Orgel. Damit nicht alle diese Pfeifen grundsätzlich gleichzeitig erklingen, gibt es in der Windlade eine zweite Ventilebene, die dafür zuständig ist, die Pfeifen einer bestimmten Klangfärbung anzusteuern. Diese Ventile werden durch die Registerzüge bedient, nicht durch die Tasten. Sie werden in der Regel vor dem Spielen eingestellt (gezogen) und eventuell auch während her verändert. Sie bestimmen die Klangfarbe und Lautstärke des gespielten Werkes.
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Das Pfeifenwerk, zuständig für den guten Ton
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Pfeifenreihen derselben Klangfärbung nennt man in der Orgel Register. Wie schon oben bemerkt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Pfeifen der selben Tonhöhe klanglich unterschiedlich zu gestalten. Laut, leise, weich, streichend, trompetend, mit vielen Obertönen oder mit wenigen - es gibt unzählige verschiedene Register. Und damit nicht genug: diese Register werden in verschiedenen Tonhöhen in die Orgel eingebaut, so dass man unter Verwendung einer einzigen Taste mehrere Oktaven des selben Tones erklingen lassen kann. Zudem gibt es Register in Terz- oder Quintstimmung, ja selbst Septim- oder Nonen-Register, außerdem noch verschiedene Register, die schon in sich mehrere Pfeifen auf verschiedenen Tonhöhen auf einer Taste vereinen, wie die Mixtur, die Cimbel oder das Kornett. Dadurch ist es möglich, dass die Orgel eine solche Klangfülle aufweist. Wenn man bei einer mittleren Orgel mit ungefähr 30 Registern ausrechnet, wie viele Klangkombinationen zumindest rein rechnerisch möglich sind (klanglich geht eben dann doch nicht alles), ist das schon sehr beachtlich.
Die Bauweise der Pfeifen ist vielfältig und manchmal sind es schon recht eigenwillige Formen, die dabei entstehen. Aber nur so ist die unterschiedliche Klanggebung möglich. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Arten von Orgelpfeifen: Labial- oder Lippenpfeifen und Lingual- oder Zungenpfeifen. Bei den Labialpfeifen entsteht der Ton dadurch, dass der Wind auf die Kante des Oberlabiums trifft, und dort die Luftsäule im Inneren der Pfeife zum Schwingen bringt. Bei den Lingualpfeifen setzt der Wind ein Metallblättchen (ähnlich wie bei der Mundharmonika) in Bewegung. Dadurch entsteht ein schnarrendes oder quäkendes Geräusch, das durch die Luftsäule in der Pfeife verstärkt wird und so einen Ton erzeugt.
Register werden oft nach Instrumenten benannt, wie zum Beispiel Viola, Flöte, Nachthorn, Geigenprinzipal und Äoline (Labialpfeifen), Trompete, Posaune, Fagott, Oboe, Englisch Horn, Klarinette, Schalmei, Krummhorn und Zink (Lingualpfeifen). Dabei wird versucht, den Pfeifen einen dem Namen charakteristischen Klang zu geben.
Das Material, aus dem Pfeifen hergestellt werden, ist in der Regel eine Legierung aus Zinn und Blei, es gibt aber auch andere Werkstoffe wie Kupfer, Zink und sogar Beton. Ein ebenfalls wichtiger Werkstoff für Pfeifen ist Holz. Man kann sich gut vorstellen, was es für einen Aufwand bedeutet, bei einer mittleren Orgel mit durchschnittlich 1800 Pfeifen bei 30 Registern jede Pfeife herzustellen, ihren Klang zu gestalten ('intonieren') und sie zu stimmen.
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Die 'Traktur', ausschlaggebend für ein gutes Gefühl
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| Um eine Verbindung zwischen der Taste, die vom Organisten angeschlagen wird, und der Lade, die dann den Windimpuls an die entsprechenden Pfeifen weiterleitet, herzustellen, wird eine Traktur (lat. trahere = ziehen) eingebaut. Diese Verbindung wird häufig mechanisch, manchmal elektrisch, elektronisch oder elektropneumatisch konzipiert. Man hat über die Jahrhunderte viel an der Traktur herumentwickelt, nur um immer wieder auf die Mechanik aus feinen Holzleisten zurück zu kommen. Sie ist nach wie vor die Trakturart, die dem Organisten am besten einen nuancierten Anschlag ermöglicht, aber auch die Trakturart, die am wenigsten störanfällig und am leichtesten zu reparieren ist. Natürlich haben auch die anderen Trakturen Vorteile wie leichteren Spieldruck oder die Möglichkeit, den Spieltisch entfernt von der Orgel aufzustellen und damit dem Organisten ein besseres Klangbild der Orgel zu geben oder den Blick frei zu machen für einen Chor, ein Instrumentalensemble oder auf den Altar. Nach wie vor bleibt die Traktur-Frage eine gewisse Glaubenssache, aber eigentlich gibt es (zumindest für mich) keine andere sinnvolle Möglichkeit als eine mechanische Traktur. |
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Der Spieltisch, die Steuerzentrale einer Orgel
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Egal ob Spieltisch oder Spielschrank, die Tasten und die Registerzüge stellen die Steuereinheit der Orgel für den Organisten dar. Die Anzahl der Register wird durch die Größe der Kirche, der Empore oder des Platzes, an dem die Orgel stehen soll und des Geldbeutels der Kirchengemeinde bestimmt. Aus der Anzahl der Register wiederum ergibt sich die Anzahl der Manuale (Klaviaturen). In der Regel besitzt eine Orgel mindestens 2 Manuale und eine Klaviatur für die Füße, das Pedal. Da man anders als beim Klavier, bei der Orgel die Lautstärke und den Klang nicht durch den Anschlag beeinflussen kann, ist es von Vorteil, mehrere Manuale zu haben. Man kann diese unterschiedlich registrieren und so beim Spielen Klangveränderungen erreichen. Die unterschiedlichen Manuale steuern dabei unterschiedliche Windladen mit unterschiedlichen Pfeifen an.
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Der 'Prospekt', das Gesicht einer Orgel
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| Ob eine Orgel gut aussieht und sich optisch in einen Raum einpasst, entscheidet die Prospekt-Gestaltung, also die Architektur des Gehäuses und die Aufstellung der sichtbaren Prospektpfeifen. Zum einen werden hier Grundzüge des Gebäudes aufgegriffen, in dem die Orgel stehen soll, zum anderen hat auch die Aufteilung der Windladen und der Register einen Einfluss auf den Prospekt der Orgel. Selbstverständlich muss die Prospektgestaltung auch die Spielbarkeit einer Orgel ermöglichen. Es gibt einfach gewisse Dinge, die im Orgelbau auf vernünftige Weise nicht zu realisieren sind. Leider sehen das Architekten und Kirchengemeinderäte nicht immer ein, wenn es um einen Orgelneubau geht. |
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Unterschiedliche Orgeln für unterschiedliche Länder
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Interessanterweise hat sich der Orgelbau über die Jahrhunderte in den verschiedenen Landstrichen unabhängig entwickelt. Sowohl Klanggebung als auch Größe, Register, Bauweise und Prospekt sind sehr unterschiedlich gestaltet. Und selbst in unserer heutigen Zeit, in der die Welt klein geworden ist, klingt eine italienische Orgel anders als eine Orgel aus Norddeutschland, eine spanische anders als eine süddeutsche oder eine englische anders als eine Orgel aus Frankreich, es sei denn, sie ist bewusst so gebaut, dass sie verschiedene Stile in sich vereint oder einen auswärtigen Stil kopiert. Logischerweise unterscheidet sich dadurch bedingt (besser: wechselseitig bedingt) auch die Musik, die in den verschiedenen Ländern für ihre Orgel vor Ort komponiert wurde und wird.
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.Falls Sie noch Fragen zum Thema haben, schicken sie eine Mail, die ich dann zumindest versuche, zu beantworten
oder fragen Sie Ihren Organisten (der Ihnen sicher gerne seine Orgel vorführt)
oder Ihren Orgelbauer (der Ihnen vielleicht seine Werkstatt zeigt)!
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Quellen:
Die Skizzen Nr. 1,2,3,5,6,7,8,9,12 dieser Seite wurden entnommen aus:
'Probieren und Studieren; Lehrbuch zur Grundausbildung in der Evangelischen Kirchenmusik',
Hrsg. Siegfried Bauer, erschienen 1996 im Strube Verlag München, ISBN 3-921946-29-8
Die Skizze Nr. 4 sowie die Fotografie Nr. 10 dieser Seite wurden entnommen aus:
'Das Buch von der Orgel', Hrsg. Hans Klotz,
Bärenreiter-Verlag Kassel 1972, ISBN 3-7618-0080-0
Die Fotografie Nr. 11 dieser Seite wurde entnommen aus:
'Einführung in den Orgelbau', Hrsg. Wolfgang Adelung,
5. Auflage erschienen 1975 im VEB Breitkopf & Härtel Musikverlag Leipzig; Lizenznr. 472-155/4106/81
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